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Reisebericht Amazonas - Ralf vom Hostel Mondpalast Dresden
Peru, Iquitos, 17.09.2009
Iquitos, mitten im und am Amazonas.
„La casa de la frances“, mitten im herzen Iquitos und mittendrin in nem haufen rastafrisurtraeger aus aller welt, nen joint und davor, Ich.
Von Mancora aus, oben im norden perus, nahe der grenze zu aequator, bin ich wieder endlose kilometer runter gereist, nach Chiclayo. Danach Tarapoto, was fuer ne relaxte kleine stad mit super klima, dann Yurimaquas und von da 2 tage mit dem boot hierher.
Iquitos, dass ist die stadt, in der die authentische figur Fitzcarraldo lebte. Wer den gleichnamigen film von Werner Herzog gesehen hat, kann damit vielleicht was anfangen. Fitzcarraldo, gespielt von Klaus Kinski. Herr Eifel, der vom turm in Paris, hat sich hier ebenfalls mit nem gebaeude verewigt, aber eher unspektakulaer.
Es ist zum verrueckt werden schwuel heiss, deshalb tropft unentwegt schweiss und lecker melonensaft aus meinem gesicht und vesaut mir meine seite mit den namen der exotischen koestlichkeiten, die ich hier probieren soll. Auf dem hier hiesigen markt gibt es logischerweise alles, was man sich nicht vorstellen kann. Krokokodil – und anakondaschnitzel, neben
tonnen an exotischsten fischen und flussgewimmelzeugs. Nen traum. Fotos gibts davon keine, ich brauch meine kamera noch ne weile.
Faehrt man weiter hoch in den norden perus, oder setzt rechts den blinker richtung amazonas, ist das essen so, wie man es sich von suedamerika eigentlich vorstellt.
Delicious, pikante. Viele verschiedene gemuese, sowie ein paar der 2400 sorten kartoffeln die es hier geben soll, duempeln auf dem teller rum. Ebenfalls nen traum.
Nen paar eindruecke des transportsystems ins peru.
Um in peru mit dem bus zu fahren zu koennen, muss man sich einer prozedur unterziehen, wie beim einchecken in nen flieger. Passkontrolle beim fahrscheinkauf und nochmal pass – und elektropiepkontrolle, sowie body check vorm einsteigen. Danach rammelt einer
mit ner videokamera durch den bus und filmt jeden passagier. Die beste nummer war bis jetzt, als man mir vorm einsteigen noch die fingerabdruecke genommen hat. Da hab ich mich gefuehlt wie nen schwerkrimineller aufm weg ins gefaengnisshaus. Macht aber sinn, weil ab
und zu nen bus paar hunderte meter die schlucht runterpurzelt. „Die verkohlten und zerbeulten koerperteile da auf platz 12, muessen laut ticket und videoaufzeichnung vom Ralli aus dresden sein“. Eigentlich fehlt nur noch gebissabdruck, blut – und stuhlprobe, sowie ne notariell beglaubigte kopie seines testamentes in 3 sprachen.
Und so mit dem boot auf dem amazonas rumzugondeln ist anfangs ne super sache, dann aber bissl langweillig, da es rechts, links, vorn und hinten immer gleich aussieht, es frueh, mittags und abends immer dasselbe zu essen gibt.
Als kompott laufen dann stundenlang chinesische soaps im fernsehen, mit ganz viel corazon, endlos von traenen aufgequollene augen undversagenden stimmen, vom nie endenden geschluchze. Laeuft man dann zur sendezeit ueber deck, watet man regelrecht durch ne knoechelhohe herzenssuppe und moechte mitleidig taschentuecher verteilen, waehrend im unterdeck die kuehe ein solidarisch ruehrseeliges gemuuhe anstimmen.
Die kapitaene, die diese riesenpoette durchs sich staendig veraendernde gewaesser lenken, brauchen trotz sonar jemanden, der in abstaenden ne messlatte ins wasser taucht, um die tiefe zu bestimmen. Und so pendeln wir ununterbrochen auf dem riesigen fluss von
rechts nach links, an reeling und schanzing wie angeklebt, schoene bunte schmetterlinge.
Die drei schwulen koeche, ganz viel eye liner verschwendend, hechten ins motorboot, sobald nen kleines dorf in sicht kommt um nahrungsmittel einzukaufen. Was die da eigentlich kaufen, keine ahnung.
Die fertigkeit des kochens macht nen ganz grossen bogen um die eye liner, deshalb gibts immer den selben zusammengeruehrten pamms. Aber zum schluss isses ok, muss ja..
Geschlafen wird in haengematten, ausser ich, ich hab mir ne ueberteuerte kabine gemietet. Die schlitzohren wissen doch, dass ich kamera, labtop etc.dabei habe. Haa.
Mein kleines Hippi Hostel.
Da liegt hier nen typ mit weit ueber 40 grad fieber in der haengematte.
Zwei ausgebildete franzoesische krankenschwesterbrueder, stehen ihm mit fachmaennischen rat und malariapillen zur seite. Nee, da ist wieder so ne Guruschwuchtel am start die ihm sagt, „das fieber ist gut fuer dich, reinigt den koerper, pillen sind ungesund und dein
koerper weiss alleine was er zu tun hat“. Dann hat er ihm das fieber aus dem mund genommen und auf den boden geschmissen, umgeleitet sozusagen. Ich muss da jetzt immer bissl aufpassen wo ich hintrete.
Iss mir schlecht und meine franzoesischen freunde ueben sich in der kunst des unglaeubigen kopfschuettelns, rollen mit den augen undwirken dabei wie autisten. Ganz grosses kino.
Ne grosse nummer ist hier zum schamanen zu gehen, um Ayahuasca oder San Pedro Kaktus zu sich zu nehmen. Nach viel rumgekotze macht das den geist frei und man gewinnt klarheit ueber sein leben. Entweder bin ich zu normal, zu verklemmt oder zu unglauebig. Ich sollte das mal ausprobieren, um mir darueber klar zu werden, was von den 3 varianten ich bin.
Ich lese lieber die geschichten von Carlos Castaneda und kann dabei viel lachen. Kommt meiner natur bissl naeher. Ich bin der einzige im hostel, der sich dieser vomituebung nicht unterziehen wird.
Im patio des hostels haenge ich in einer der 4 haengematten, welche nach einem mix aus ungewaschenen maennern und rastazopf riechen. Und schon werd ich wieder zeuge einer wunderheilung. Alessandro, der eine entzuendung am besten teil eines mannes hat, (ich meine damitnicht das gehirn) wird gerade die heilende hand auf sein bestes teil gelegt. Der junge wunderheiler schnalzt bei geschlossenen augen laut und lange mit der zunge.
Es muss verdammt anstrengend sein.Ich leide in zweierlei hinsicht mit. Mir tut Alessandro leid, aber so richtig mitleid hab ich mit dem heiler selber. Bei ihm ist wohlin der vergangenheit ganz viel schief gelaufen, um so drauf zu sein. Minuten spaeter trabt er mit seinem brett bunter armbaender und kettchen richtung touristenmeile ab und Alessandro ist nun seit 10
minuten aufm klo kotzen. Wundiheili muss sich wohl verschnalzt haben . Ich brauch hier echt keinen fernseher.
Im hostel gibts nen super schicken sprechenden papagei namens rafael, mit dem ich aufm kopf oder schulter meine runden drehe und er mir dabei ordentlich ins ohr schreit. Fuehle mich bissl wie Robinson und Freitag. Super sache.
Die idee ne dschungeltour zu machen, schreckte mich anfangs gewaltig ab. Bei all den malariageschaedigten hilfshippis hier im hostel und dem glauben der touranbieter, man sei auf der wurstpelle dahergeschwommen. Da hatte ich nen grosses fragezeichen im kopf.
70 – 120 dollar (210 – 360 soles) am tag fuer bissl boot rumgekutsche, bissl essen und uebernnachtung, nee. In suedamerika ist das fach realitaetsverlust anscheinend.wichtiger, als mathematik und rechtschreibung..
Der hiesige dschungelgott sandte dann zum glueck nen fiten franzosen, der auf dem markt nen typen aufgetan hat, welcher anscheinend 10 semester realitaetsnaehe studiert hat und rechnen konnte. So ham wir dann zu fuenft, ne 3 tagestour fuer 20 soles am tag klar gemacht.
Angeln am amazonas, wau. Viele piranas logischerweise und anderes exotisch buntes zeug, wo man sich so herrlich die Finger aufschneiden kann. Abends haben wir bei seinen verwandten in nem minidorf unter primitivsten umstaenden in ner holzhuette genaechtigt.
Logischerweise war das klo das grosse gruene Dschungelklo. Kein wasser, kein strom, alle gernerationen unter einem dach. Genauso wie man es erleben, aber definitiv nicht leben will oder kann. Mein einziger gedanke war nur, duschen, oder mich wenigstens bissl zu waschen.
Ich hab noch nie im leben so gestunken.
Naechster tag, 5 stunden wandern durchn dschungel. Affen, voegel, schmetterlinge usw. Viele viele mosquitos und vor allem viel viel viel sonne !
Ich hab sie abgrundtief gehasst. Mein kopf hat gehaemmert, mir war klar, in den naechsten 2 minuten falle ich um. Alles hat sich gedreht vor meinen augen und ich wollte das handtuch werfen. Ich war am arsch, aber so richtig. Motivation , gut zureden und mein wille durchzuhalten, ham mich weiter apathisch einen schritt vor den anderen setzen lassen. In jedem
kleinen bach ins wasser springen, feuchtes handtuch aufm kopf und endlos pausen, so kam ich endfertig zum tagesziel.
Ich sah aus wie nen idiot, hab mich auch so gefuehlt und mich immer wieder gefragt was ich hier eigentlich mache. Abends ham wir dann in nem dorf ne henne gekauft und 2 stunden spaeter war se verspeist. Ich dann schoen in der haengematte wie nen toter und als schutz vor allem moeglichen getier, ordentlich mein mosquitonetz um mich rum gespannt.
Nachts, so gegen 4 uhr, rissen dann paar stricke meiner schlafstaette, es machte bumm und Ralle lag unten !! Scheisse!!
Das war das zeichen fuer alle mosquitos der welt ueber mich herzufallen und mir den rest zu geben. Da hab ich ne halbe Flasche antimueckenzeugs auf meinem koerper verteilt und ne stunde apathisch dasitzend nur noch geraucht, bis ich dann die anderen um 5 uhr
wecken konnte.
Dann den ganzen weg zurueck. Die sonne war gnaedig, hat die lieben wolken gesandt und mich lebend ankommen lassen. Wieder boot fahren, angeln, im fluss schwimmen, aus fluessen wasser trinken wo man sich ueberlegt, ob man da ueberhaupt nen fuss reinsetzt. Bei
irgendwelchen leuten in irgendeinem dorf gekocht und dann im dunkeln bei herrlichen gewitterblitzen heim. Duschen, nen bier, nen joint und nur noch schlafen.
Es war wirklich super, aber ich war noch nie so nah an meiner belastungsgrenze. Andere stecken das bedeutend lockerer weg, aber diesesschwuel heisse klima hat mich absolut fertig gemacht. ich bin definitiv nicht der, der laechelnd und schreiend von liane zu liane
huepft. das ueberlass ich anderen.
In paar tagen gehts weiter. 3 tage mit dem boot nach Leticia auf kolumbianischer seite. Von da nehm ich mir nen flieger nach Bogota und dann schau ich mal wie es weiter geht.
Aequator lass ich aus. Suedamerika ist einfach zu gross um alles zu sehen.
wer sich aber auch diese grossen laender ausgedacht hat, mensch.
Bis bald, der Ralle. 26.09.2009